Der Landwehrkanal Und seine Schleusen

Titelbild: Wikipedia Oberschleuse
Text: Daniela Pieper

Interessante historische Hintergründe über die Entstehung des Landwehrkanals und der Ober- und Unterschleuse

Der Landwehrkanal gehört zu einem der schönsten Wasserstraßen Berlins. Wenn man in den Sommermonaten an den herrlichen grünen Ufern entspannt oder eine Schifffahrt unternimmt, dann kommt es einem so vor, als wäre dieser künstlich angelegte Wasserweg schon immer da gewesen.

Nun, es ist ja auch schon eine Weile her, seit der berühmte Stadtplaner und Gartenarchitekt Peter Jopeph Lenné vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. den Auftrag erhielt einen Entlastungskanal für die Spree zu konzipieren, um dem zunehmende Waren- und Güterverkehr durch die Industrialisierung Herr zu werden. 

Wo sich Schafe und anderes Nutzvieh Gute Nacht sagten

Doch ehe sich Lenné im Jahr 1840 der Sache annahm, gab es lange Zeit nur einen Graben, den so genannten Landwehrgraben.

Der entstand Mitte des 15. Jahrhunderts und diente als Verteidigungsgrenze vom Oberbaum im Osten bis zum Unterbaum bei Charlottenburg.

Im Volksmund wurde der Landwehrgraben auch Schafgraben oder Weidengraben genannt, weil die Königliche Kriegs- und Domainverwaltung seine Böschung als Grasland verpachtete. 

Der Landwehrgraben hatte jedoch noch eine weit wichtigere Funktion, denn er diente als Ableitung des Hochwassers der Spree von der Berliner Innenstadt.

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Fotomontage (Daniela Pieper) auf Grundlage des folgenden Bildes: Wikipedia, Karte von Berlin – 1846

Foto: Wikipedia, Stadtbahnbrücke Spreekanal 1882

Endlich Entlastung für den Spreekanal 

Die Bedeutung als Abzugsgraben musste Lenné bei der Planung des neuen Landwehrkanals natürlich auch berücksichtigen. Im Zuge dessen flossen in die Konzeption auch Überlegungen für den Bau von Schleusen ein, die die unterschiedlichen Wasserstände regulieren sollten. Lenné entschied, dass am oberen und unteren Kanalende jeweils eine Schleuse – die Ober- und die Unterschleuse entstehen sollten.

Am 2. September 1850, 5 Jahre nach dem ersten Spatenstich, fand dann schließlich die Einweihung des Landwehrkanals statt. Was viele nicht wissen ist, dass er damals noch außerhalb der Stadtmauern lag. Kein Wunder also, dass weder die damalige Presse, noch die Berliner Bevölkerung bemerkte, dass hier eine neue Wasserstraße entstanden ist. 

Wer jedoch auf dem Wasser zu tun hatte, der muss froh gewesen sein, als der Landwehrkanal endlich fertig gestellt wurde. Zumal Kähne, die auf dem Spreekanal unterwegs waren schon einmal sechs bis acht Tage auf die Schleusung warten mussten. 

Wie eine neue Uferstraße am Landwehrkanal mit den Heckmann-Höfen zusammenhängt

Parallel zum Bau des Landwehrkanals wurden die beiden Schleusen errichtet. Für die Oberschleuse musste extra ein etwa 500 Meter langes neues Kanalstück gegraben werden. Dadurch entstand auch eine neue Uferstraße, die am 30. April 1899 den Namen Heckmannufer erhielt. Benannt wurde sie nach dem Kupferschmied und Unternehmer Carl Justus Heckmann, der 1837 an dieser Stelle ein Kupfer- und Messingwalzwerk errichtete.

Wenn Du Berlinerin oder Berliner bist oder schon längere Zeit in der Stadt wohnst, dann sollte Dir der Name Heckmann noch in einem anderen Kontext geläufig sein. Der Sohn des Großindustriellen Carl Justus Heckmann, Friedrich Wilhelm, kaufte 1905 einen bereits bestehenden Häuserkomplex im Berliner Stadtteil Mitte, der seitdem als Heckmann-Höfe bezeichnet wird. Die Gebäude wurden vermietet, waren Sitz des firmeneigenen Ingenieur- und Konstruktionsbüros und dienten der kaufmännischen und technischen Verwaltung des Firmenimperium. Außerdem wohnten hier einige Mitglieder der Familie Heckmann sowie leitende Mitarbeiter der Heckmann-Betriebe.

 

Foto: Wikipedia, Eisenwalzwerk, Adolph von Menzel (1875) – Das berühmte Gemälde, dass heute in der Alten Nationalgalerie hängt, entstand anhand zahlreicher Studien, die Menzel in den Heckmann’schen Firmen in Berlin und Schlesien angefertigt hat.

Foto: Daniela Pieper, Heckmann-Höfe im Sommer

Eine Insel auf der Leder hergestellt und Steuern erhoben wurden

Zwischen dem neuen Kanalstück und dem ehemaligen Landwehrgraben (heute Flutgraben) entstand auch eine rund 6,5 Hektar große Insel – die Lohmühleninsel. Bis zum Jahre 1803 standen am Floßgraben tatsächlich 3 Lohmühlen, daher die Bezeichnung. In diesen Lohmühlen wurde Gerberlohe aus Eichen- und Fichtenrinde gewonnen, die für die Lederherstellung genutzt wurde.

Während die Lohmühlen inzwischen Geschichte sind, ist ein altes Ziegelsteingebäude erhalten geblieben. Bis 1875 wurden hier Mehl- und Schlachtsteuern für die Stadt Berlin und später, als es diese Steuern nicht mehr gab, Landwehrkanal-Gebühren von der Königlichen Wasserbauinspektion erhoben.

Wenn Du das nächste Mal mit uns per Schiff in die Oberschleuse einfährst, z.B. während unserer Brückenfahrt auf der Spree und dem Landwehrkanal, dann achte doch einmal auf das alte unter Denkmalschutz stehende Gebäude.

Foto: Wikipedia, Nordende der Lohmühleninsel (rechts) mit dem alten Ziegelsteingebäude an der Oberschleuse

Foto: Daniela Pieper, Warten in der Unterschleuse während unserer Brückenfahrt

Wie Lenné wohl heute den Landwehrkanal und die Schleusen gestalten würde?

Seit dem Bau des Landwehrkanals und der beiden Schleusen ist viel Zeit vergangen und der Schiffsverkehr nahm mehr und mehr zu. Dadurch war im Laufe der Jahre ein Um- und Ausbau des Kanals, aber auch der Ober- und Unterschleuse unerlässlich.

Vergleicht man die Maße der Ober- und Unterschleuse von damals und heute, kommt man ganz schön ins Staunen. Konzipiert wurden beide Schleusen mit einer Kammerbreite von 10,04 Metern und einer Kammerlänge von 42,94 Metern.

Während sich die Kammerbreite der Unterschleuse mit 10,50 m nicht grundlegend verändert hat, ist sie aber mit einer Kammerlänge von 62,00 m erheblich länger als einst. Die Oberschleuse ist mit einer Kammerlänge von 66,60m und einer Kammerbreite von 19,70 Metern insgesamt noch viel größer geworden.

Aber auch der Landwehrkanal selbst hat sich seither verändert. Eine erste große Umstrukturierungen fand bereits zwischen den Jahren 1883-1890 statt. Für eine stattliche Summe von 3,6 Millionen Mark, gestellt von der Königlichen Regierung in Potsdam, wurde nicht nur das Profil und die Einfassung des Kanals verändert, sondern auch der Normalwasserstand und damit verbunden sämtliche Brücken angehoben und die Drehbrücke der Potsdamer Eisenbahn beseitigt. Außerdem wurde für dieses Geld zwischen 1891 und 1896 auch noch der Urbanhafen errichtet.

Von 1936 bis 1941 wurde der Landwehrkanal dann ein zweites Mal ausgebaut, damit er nun auch für 550-Tonnen-Schiffe nach dem Breslauer Maßkahn (Länge 55,00 Meter, Breite 8,00 Meter) passierbar war. Diese nutzten den Kanal nach dem Umbau zunehmend, um die Spree und andere Wasserstraßen zu umfahren.

Foto: Wikipedia, Urbanhafen um 1900

Foto: Daniela Pieper, Einfahrt in die Oberschleuse während unserer Brückenfahrt

Zuletzt wurden zwischen November 2009 und März 2010 die Ufermauern des Landwehrkanals umfangreich saniert. In dieser Zeit war der Kanal auch für den gesamten Schiffsverkehr gesperrt.
Eine weitere auferlegte Ruhepause gab es während der Coronapandemie in den Jahren 2020 und 2021.

Inzwischen hat sich die Lage für den Schiffsverkehr beruhigt und Du hast die Wahl, ob Du den schönen Landwehrkanal und die beiden Schleusen mit uns per Brückenfahrt erkundest oder Dir eines unserer schönen Schiffe mietest. Egal wofür Du Dich entscheidest. Wir freuen uns auf Deinen Besuch.

Tipp: Du willst interessierst Dich für Schleusen, dann erfahre in unserem Beitrag Schleusen – Antworten auf viel gestellte Fragen mehr zum Thema, oder lies doch einfach unseren Artikel über Berlins größte Schleuse, die Mühlendammschleuse.

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