Urbanhafen Berlin

 

Text und Gestaltung: Daniela Pieper
Titelbild: Stefan Magierski, Urbanhafen 11. Juli 2006

Vom bedeutenden innerstädtischen Hafen zum Austragungsort für Motorbootrennen

Wußtest Du,

… dass der Urbanhafen im Berliner Bezirk Kreuzberg einst so stark frequentiert war, wie Häfen in Hamburg oder Shanghai?

Wer heute mit uns während der Brückenfahrt auf der Spree und dem Landwehrkanal am Urbanhafen entlangfährt, ahnt nichts davon, wie bedeutend der Hafen einmal war. Nur noch in den Sommermonaten tummeln sich Sonnenhungrige am Ufer vor dem Vivantes Klinikum Am Urban (umgangssprachlich auch Urban-Krankenhaus)

Der Name Urban bezieht sich übrigens auf das sumpfiges Gelände, dass dort einmal vorherrschte.  Kein Wunder also, dass die Berliner dieses Gebiet vor dem Bau des Hafens auch “Urlake” oder “Erlenlake” nannten. Deshalb wurde es seit dem 17. Jahrhundert durch den so genannten Landwehrgraben – dem heutigen Landwehrkanal – entwässert. 

Foto: Stefan Magierski, Urban-Krankenhaus, Juli 2006

Foto: Wikipedia, Urbanhafen 1900

Der erste größere innerstädtische Hafen im Landwehrkanal

Der Urbanhafen entstand zwischen den Jahren 1891 und 1896. Er war der erste größere innerstädtische Hafen im Landwehrkanal und wurde wegen des zunehmenden Bedarfs an Umschlag und Lagerplätzen für Baumaterialien notwendig.

Außerdem sollte er den Bau von Arbeiterunterkünften voranbringen und die Versorgung der südlichen Vorstadt Berlins mit Lebensmitteln sicherstellen.

Über 70 Schiffe hatten Platz

Um ein Hafenbecken zu ermöglichen wurde der Landwehrkanal zwischen Bärwald- und Admiralbrücke von 20 Meter auf 145 Meter verbreitert.

Außerdem entstand eine 293 Meter lange und 48 Meter breite trapezförmige künstliche Ladeinsel, an dessen Kaimauern über 70 Schiffe anlegen konnten. Und zwar genau dort, wo sich heute der Parkplatz vor dem Vivantes Klinikum am Urban befindet (siehe Grafik). 

Foto: Wikipedia – Ursprüngliche Lage des Urbanhafen

Ein Hafen, ideal für Schmuggler und andere zwielichtige Gestalten

Doch wenn Du Dir jetzt vielleicht einen wunderschönen, quirligen Hafen mit pittoresken Cafes und Restaurants für Einheimische und Touristen vorstellst, dann liegst Du falsch. Vielmehr wurde der Hafen nach Fertigstellung mehr und mehr zum Umschlagplatz für Schmuggler und andere zwielichtige Gestalten, die mit krummen Geschäften versuchten Geld zu verdienen.

Kein Wunder also, dass dieser Tage die Strom- und Schifffahrtspolizei gegründet wurde, um der Sache Herr zu werden. Die Polizisten übernahmen auch die Aufgabe der so genannten Fremdenpolizei, weil das “fahrende Volk” zumeist nicht ortsansässig war und keinen besonders guten Ruf hatte.

Fotos: Wikipedia – Wasserschutzpolizei in Berlin, 20. März 2012, WikipediaWasserschutzpolizei kontrolliert einen Angler, August 1947

Foto: Wikipedia – Urbanhafen 1906 – noch „stapeln“ sich die Schiffe

Düstere Zukunftsaussichten für den Hafen 

Bereits in den 1920er Jahren verlor der Urbanhafen zunehmend an Bedeutung. Das lag vor allem daran, dass er weder einen Gleisanschluss besaß, noch dass der Landwehrkanal von größeren Schiffen angelaufen werden konnte.

1923 übernahm die Behala (die Berliner Hafen und Lager Gesellschaft) den Urbanhafen und baute 1937 die Ladeinsel aus. Trotzdem war die Hafenanlage insgesamt zu klein und wurde 1963/64 als innerstädtischer Hafen aufgegeben.

Später wurde das Hafenbecken und der Seitenkanal zugeschüttet, so dass die Ladeinsel mit dem südlichen Ufer verbunden war. Auf dem neu gewonnenen Gelände entstand sowohl eine Grünanlage samt der schönen Uferpromenade und ein Erweiterungsbau für das Urban-Krankenhaus.

Statt großer Schiffe, schnittige Motorboote 

In den 1930er Jahren ging es im Urbanhafen zweitweilig noch einmal hoch her, denn er war Austragungsort für diverse Motorbootrennen.

Und das zwar mit Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg. Doch bereits wenige Jahre nach dem Krieg verzeichneten die Rennveranstaltungen bis zu 20.000 Zuschauer.

Weil der Hafen für die immer schneller werdenden Rennboote jedoch zu schmal und zu kurz war, wurden ab 1956 keine Rennen mehr durchgeführt.

Foto: Wikipedia – Motorbootrennen waren nicht nur im Urbanhafen beliebt. Das Bild zeigt die Vorbereitungen für ein internationales Rennen im Mai 1929 im Templiner See.

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