Nikolaiviertel Berlin – Rundgang und mehr
Text und Gestaltung: Daniela Pieper
Titelbild: Wikipedia,
Nikolaiviertel aus der Vogelperspektive, fotografiert von Roten Rathaus
Das Nikolaiviertel in Berlin – ein Juwel mitten im Herzen der Großstadt
Du möchtest Berlins Anfänge…
im historischen Zentrum entdecken? Dann führt an einem Besuch des Nikolaiviertels kein Weg vorbei. Es ist Berlins ältester Stadtteil, der mit seinen engen kopfsteingepflasterten Gassen und kleinen Höfen vergangene Zeiten zum Leben erweckt. Gerade dieser Kontrast wirkt in einer Metropole wie Berlin besonders reizvoll – und zieht Jahr für Jahr Tausende Besucher an.
Was viele nicht wissen: Das Nikolaiviertel lässt sich nicht nur zu Fuß entdecken – auch vom Wasser aus ist es ein Highlight. Und das Beste daran: Du kannst das Nikolaiviertel während unserer ca. 2,5-stündigen City-Mauer-Spreefahrt gleich 2-Mal erleben – auf der Hinfahrt mit Start an unserem Anleger am Holsteiner Ufer und auf der Rückfahrt mit kurzem Halt an der East-Side-Gallery.
Warum das Nikolaiviertel bis heute faszinierend ist, zeigt ein kurzer Blick in die Geschichte.
Foto: Daniela Pieper, Schifffahrt mit unserer Bon Ami mit Blick in Richtung Berliner Dom, rechts im Bild das Nikolaiviertel
Foto: Daniela Pieper, Nikolaiviertel im Abendlicht aus der Schiffsperspektive während unserer City-Mauer-Spreefahrt.
Das Nikolaiviertel – Vom Mittelalter bis heute…
Im 13. Jahrhundert formt sich im Nikolaiviertel der erste städtische Kern Berlins. Am Mühlendamm, einem der ersten Spreeübergänge, drängen sich Händlerkarren und Fischerkähne. Genau hier, am östlichen Spreeufer, verdichtet sich eine kleine Siedlung – Berlin auf der rechten Uferseite, Cölln auf der Insel gegenüber. Zünfte entstehen, Waren aus dem Oderraum und der Mark wechseln die Besitzer, und aus Wegen werden Gassen, aus Höfen Handelshöfe, daneben Braustuben und Speicher. Und mittendrin Berlins ältestes Kirchengebäude, die Nikolaikirche, die um 1230 erbaut wurde. Ihr Patron, Nikolaus, Schutzheiliger der Kaufleute und Seefahrer, passt wie gemacht zu einem Ort, an dem Wasser und Handel die Stadt formen.
Durch die Vereinigung von Berlin und Cölln im Jahr 1709 zur königlichen Hauptstadt ändert sich das Gesicht der Umgebung: Bürgerhäuser werden repräsentativer, barocke Fassaden prägen das Bild. Aus dieser Epoche geht das elegante Ephraim-Palais hervor – berühmt für seinen goldverzierten Eckbalkon im Rokokostil.
Etwa 100 Jahre später, im Biedermeier, einer Kunst- und Kulturepoche von etwa 1815 bis 1848, richtet sich das Bürgertum behaglich ein. Wie diese Wohnkultur aussah, zeigt auch heute noch eindrucksvoll das Knoblauchhaus mit originalen Biedermeiermöbeln, Schreibsekretären, gemusterten Tapeten, Kachelöfen und Alltagsstücken einer Berliner Kaufmannsfamilie.
Foto: Wikipedia, Ephraim Palais um 1900
Bild: Wikipedia, Heinrich Zille – „Laß man, Mutta, de Schule wird ooch ohne mir anfangen!“
Heinrich Zille, ein deutscher Grafiker, Maler und Fotograf (1858–1929) knüpft an diese Entwicklung an – und macht das Berliner „Milljöh“ aus Hinterhöfen, Werkstätten, Kneipen und kleinen Leuten berühmt. Seine Zeichnungen und Fotografien fangen genau jene Alltagswelt ein, die man im historischen Kern der Stadt intuitiv spürt. Im Nikolaiviertel begegnet dir dieser Geist bis heute: in Anspielungen, Ausstellungen und Gaststuben, die Zilles Humor zitieren – ein augenzwinkernder Gruß an das alte Berlin.
Mit dem Zweiten Weltkrieg 1939-1945 kam der Bruch: Bomben zerstörten große Teile des Viertels; vieles, was den Krieg überstand, fiel in den Nachkriegsjahren weiteren Abrissen zum Opfer. Jahrzehntelang blieb das Areal eine städtebauliche Wunde. Erst zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 entschied die Stadt, das Nikolaiviertel neu zu planen, orientiert am historischen Grundriss.
Heute weckt das Nikolaiviertel Altstadt-Gefühle mitten im Zentrum der Hauptstadt. Rekonstruierte Bürgerhäuser, kleine Plätze und Gassen wie die Propststraße, die Poststraße, die Grünstraße, die winzige Eiergasse oder der Nikolaikirchplatz schaffen Kulissen, die stimmungsvoll sind und zum Fotografieren einladen.
Die Nikolaikirche öffnet als Museumskirche mit Konzerten gelegentlich ihre Türen. Dazwischen laden Brauhäuser und Gasthöfe zur Pause ein.
Und die Spree? Sie bleibt die Lebensader, die Vergangenheit und Gegenwart dieses Ortes verbindet.
Foto: Wikipedia, rekonstruierte Bürgerhäuser am Nikolaikirchplatz im Nikolaiviertel
Foto: Wikipedia, Detailansicht des Ephraim Palais
Praktische Tipps für Deinen Besuch
Vormittags ist es im Nikolaiviertel meist ruhiger. Wenn Du Fotos liebst, lohnt sich auch der späte Nachmittag bis in den Abend. Dann ist das Licht besonders weich, die beleuchteten Gassen entfalten ihren besonderen Reiz und auch die Spreekulisse ist stimmungsvoll.
Schöne Motive findest Du an der Nikolaikirche, außen wie im Kirchhof, an der berühmten Ephraim-Ecke sowie von der Spreepromenade mit Blick Richtung Berliner Schloss und Berliner Dom.
Denk an geeignetes Schuhwerk: Aufgrund des Kopfsteinpflasters ist es sinnvoll, bequeme und feste Schuhe zu tragen. Und falls es regnen sollte geh vorsichtig, die Steine können glatt werden. Viele Wege sind zwar gut begehbar, es gibt jedoch Stufen, Schwellen und engere Passagen. Wenn Du barrierearm unterwegs bist, bleibe am besten auf den breiteren Promenadenwegen an der Spree und erkundige Dich vor Deinem Besuch wie die Zugänge der Museen gestaltet sind, damit Du den Besuch rundum genießen kannst. Für eine Einkehr empfiehlt sich an Wochenenden und Feiertagen eine Reservierung, da die beliebten Lokale schnell ausgebucht sind.
Unser Tipp: Das Nikolaiviertel erst vom Schiff und dann zu Fuß erleben
Wenn Du etwas mehr Zeit mitbringst und Berlin nicht nur vom Wasser, sondern auch zu Fuß erleben möchtest, passt eine Schifffahrt mit einem Besuch im Nikolaiviertel gut zusammen. Wähle am besten eine Tour, die an unserer Anlegestelle Märkisches Ufer startet oder endet. So kannst du vor oder nach der Fahrt entlang eines herrlichen Uferwegs an der Spree direkt zum Nikolaiviertel laufen.
Wegbeschreibung:
Vom Märkischen Ufer brauchst Du je nach Tempo etwa 30 Minuten bis zum Nikolaiviertel. Gehe vom Anleger zunächst nach Osten zur Jannowitzbrücke und genieße von hier aus den weiten Blick über die Spree und zum Fernsehturm. Wechsle auf die Nordseite des Flusses zum Rolandufer und folge dem idyllischen Uferweg Richtung Westen – immer dicht an der Spree entlang. An der Mühlendammschleuse angekommen, lohnt sich ein kleiner Zwischenstopp, um die Schleusung zu beobachten. Von der Schleuse sind es dann nur noch wenige Minuten bis zum Nikolaiviertel.
Hinweis: Ein kürzerer Weg wäre Richtung Mühlendammbrücke. Die ist allerdings bis auf Weiteres (voraussichtlich bis 2029) gesperrt.
Foto: Wikipedia, Blick auf das Nikolaiviertel von der Spree
Dein nächster Schritt: Schiff, Spaziergang – oder beides?
Du bist neugierig auf das Nikolaiviertel, dann erlebe es doch aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, einmal aus der Schiffsperspektive und dann während eines wunderbaren Rundgangs. Für den Rundgang durch das Nikolaiviertel solltest Du zusätzlich 1,5 bis 2 Stunden einplanen und Dir, je nach Tageszeit, am besten vorab Tickets z.B. für:
– das Museum Ephraim Palais unter https://www.stadtmuseum.de/museum/museum-ephraim-palais oder
– das Museum Knoblauchhaus unter > https://www.stadtmuseum.de/museum/museum-knoblauchhaus oder
– das Museum Nikolaikirche > https://www.stadtmuseum.de/museum/museum-nikolaikirche oder
– das Zille Museum > https://zille-museum.de sichern.
Außerdem empfehlen wir Dir, rechtzeitig vor Deinem Besuch einen Tisch in einem der zahlreichen Restaurants im Nikolaiviertel zu reservieren. Das gleiche gilt für eine Schifffahrt mit unserer Bon Ami während der Saison von Mai bis Oktober.






